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Wissenschaft
Biophotonenmessungen
"Inneres Licht" aus bloßen Händen

Biophotonenmessungen
bei Prof. Fritz-Albert Popp (1998)


Biophotonenmessungen am “Institut für Biophysik” in Neuss belegen: Von den Händen mancher Geistheiler geht ein geheimnisvolles Licht aus, das sie willentlich weit über Normalwerte verstärken können - möglicherweise ein Schlüssel zu ihren Heilerfolgen.

Von allem Lebendigen geht permanent ein geheimnisvolles Licht aus - 1018mal schwächer als Tageslicht, so schwach wie das Licht einer Kerzenflamme aus zwanzig Kilometern Entfernung. Sein Entdecker, der deutsche Physiker Dr. habil. Fritz-Albert Popp, spricht von "Biophotonen". Ihre Wellenlänge deckt ein breitbandiges Spektrum über den gesamten optischen Bereich ab: vom sichtbaren Licht über Ultraviolett bis zu Infrarot (200-800 nm), entsprechend einem Frequenzintervall von 1015 bis 1014 Hertz/Hz.

Ihre Intensität ist "ultraschwach": Pro Sekunde sind über einem Quadratzentimeter Austrittsfläche lediglich ein paar bis einige hundert Photonen zu registrieren. Mit Hilfe eigens entwickelter Apparaturen kann Popp dieses Licht messen und auf einem Monitor sichtbar machen: der "Photonenzählstatistik", dem "Restlichtverstärker" (einer CCD-Kamera mit Videobildschirm) oder dem "Photomultiplier", einem beweglichen Biophotonendetektor. Nach jahrelangen Messungen an Zellen und Geweben setzt er diese Techniken seit Mitte der neunziger Jahre auch unmittelbar an der menschlichen Haut ein: An zahlreichen Körperstellen - der rechten und linken Hand, der Stirn, aber auch an Ohren, Beinen und Füßen - fand er die gleichen Lumiszenzphänomene, in offenkundigem Zusammenhang mit Biorhythmen und anderen physiologischen Funktionen.

Zu den faszinierenden Eigenschaften der Biophotonen gehört ihre Kohärenz: Dieses Licht strahlt nicht diffus, wie bei einer Glühbirne, sondern ist gebündelt wie das Licht eines Laserstrahls - alle Photonen schwingen im Gleichtakt. Ein solches Licht eignet sich dazu, Informationen zu übertragen. Genau darin sieht Popp die wichtigste Funktion von "Biophotonen": Durch sie kommuniziert alles Leben miteinander, von einzelnen Zellen bis zu ganzen Organismen. Gespeichert wird dieses Licht in der Zelle, die DNS hält Popp für die Hauptquelle. Weil die Intensität mit allen inneren physiologischen Veränderungen und äußeren Einwirkungen schwankt, eignet es sich als Indikator für sie; praktische Anwendungen daraus zeichnen sich bereits in der Qualitätskontrolle von Lebensmitteln, im Nachweis von Umweltschadstoffen, in der Krebsdiagnostik (Tumorzellen strahlen anders) und der Gesundheitsprävention allgemein ab.

In Versuchsreihen mit einem knappen Dutzend Geistheilern fand Popp seit 1992 wiederholt eine verblüffende Entdeckung bestätigt, über die Ende der achtziger Jahre schon chinesische und japanische Wissenschaftler nach Biophotonentests mit Qi-Gong-Meistern berichtet hatten: Manche Heiler sind imstande, die Biophotonenabstrahlung aus ihren Händen willentlich zu verändern - und auf Werte zu steigern, die um ein Mehrfaches über Normalniveau lagen. Bei der Amerikanerin Rosalyn Bruyere war dieser Effekt nur schwach ausgeprägt, während der Italiener Nicola Cutolo erstaunlich hohe Signifikanzen erzielte: Wie ein "Restlichtverstärker" vor laufender Kamera maß, war die Lichtemission aus Cutolos Händen während einer halben bis ganzen Sekunde um ein Tausend- bis Zehntausendfaches höher als normal.

In deutschen Wissenschaftskreisen schlägt Popp immer noch derart massive Ignoranz und Anfeindung entgegen, daß er zeitweise drauf und dran war, dieses Land zu verlassen, in dem ihm geradezu “lebensgefährlich” scheint, “sich mit Psi, Homöopathie und anderen Bereichen der Komplementärmedizin seriös zu befassen”. Was ihn trägt und immer wieder aufs neue ermutigt, ist ein weltweites, interdisziplinäres Netzwerk von Forschungseinrichtungen, die im wesentlichen unter seiner Regie koordiniert dem Biophotonenphänomen auf den Grund gehen. Eine von 14 beteiligten Forschungsgruppen leitet der russische Entwicklungsphysiologe Lev Beloussov an der Staatlichen Universität von Moskau: ein Enkel des eigentlichen Entdeckers des Biophotonenphänomens, des genialen Medizinprofessors Alexander Gurwitsch (1874-1954). “Alle lebenden Zellen produzieren eine unsichtbare Strahlung”, hatte der Wissenschaftler schon in den zwanziger Jahren behauptet. Seit 1912 befaßte er sich mit biologischen Formbildungsprozessen, der sogenannten Mitogenese. In Versuchsreihen zur pflanzlichen Zellteilung entdeckte Gurwitsch 1922, daß die Wurzelzellen einer jungen Zwiebel an einer bestimmten Stelle dazu angeregt wurden, sich vermehrt zu teilen, wenn die Spitze einer zweiten, frisch gekeimten Zwiebelwurzel eine Zeitlang auf eben diese Stelle ausgerichtet war. Als Gurwitsch drei Stunden später auszählte, wieviele Zellen sich in den Bereichen gebildet hatte, die der Spitze zu- oder abgewandt waren, ermittelte er ein Plus von 25 Prozent. Die beiden Zwiebeln schienen sich zueinander zu verhalten wie “Sender” und “Empfänger” - so als hätte der eine den anderen mit wachstumsfördernden Informationen regelrecht “beschossen”. Um auszuschließen, daß dieser Effekt von chemischen Botenstoffen herrührte, die aus der Wurzel austraten, schirmte Gurwitsch die beiden Zwiebelwurzeln durch Gläser gegeneinander ab. Benutzte er dazu gewöhnliches Fensterglas, so verschwand der sonderbare Effekt tatsächlich; hingegen hielt er an, wenn Gurwitsch zwischen “sendende” und “empfangende” Zwiebel Quarzglas installierte. Dies deutete darauf hin, daß eine Strahlung im Spiel sein mußte, die im Frequenzbereich ultravioletten Lichts liegt; denn Quarzglas ist dafür durchlässig, im Unterschied zu Fensterglas.

Hefe eignete sich ebenfalls als “Empfänger”: Ihre Gärungsrate stieg in ähnlichen Versuchsanordnungen um ein knappes Drittel. Auch das Wachstum von Bakterien ließ sich auf diese Weise anregen. Sogar menschliches Muskelgewebe, die Hornhaut, Blut und Nerven wirkten als “Sender”, wie Gurwitsch bald darauf feststellte. Bald begannen mehrere Krankenhäuser in Europa damit, einen Bluttest nach Gurwitsch zu Diagnosezwecken einzusetzen. Dabei zeigte sich, daß Krankheit die rätselhafte Strahlung offenbar noch verstärkte; hielten Krebspatienten eine Hefekultur mehrere Minuten lang in der Hand, so sollen die Hefezellen abgestorben sein.

Allerdings konnte Gurwitsch Effekte lediglich beobachten und tabellarisieren. Geeignete Meßgeräte fehlten ihm. Was er entdeckt hatte und wodurch die “mitogenetische Strahlung” hervorgerufen wurde, blieb rätselhaft. (Anfangs ging er davon aus, daß er eine rein biologische Strahlung entdeckt hatte, die aus dem elektromagnetischen Spektrum herausfiel.) Geeignete Meßgeräte fehlten ihm, und so geriet Gurwitschs Erklärungsversuch durch “biologische Kraftfelder”, mitsamt seiner Entdeckung, bald in Vergessenheit. Erst die moderne Biophotonenmeßtechnik, die Dr. Popp entscheidende Durchbrüche verdankt, machte wieder den Blick dafür frei.

Autor dieses Artikels: Dr. Harald Wiesendanger
Quelle: http://www.psi-infos.de
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Geistheiler heilen lassen
Geistheiler heilen lassen

Dr. Harald Wiesendanger im ZDF Interview bei "Mona Lisa"

Ein erster Filmbeitrag zeigt Therapieerfolge, die im schweizerischen Kantonsspital Glarus erzielt wurden, seit der dortige Chefarzt der Inneren Abteilung, Professor Dr. Kaspar Rhyner, der Heilerin A. J. die Chance gab, bei der Behandlung von chronisch Schwerstkranken mitzuarbeiten.

Mona Lisa: Wie typisch ist das, was da in Glarus passiert, für Geistiges Heilen allgemein?

Dr. Harald Wiesendanger: Untypisch sind natürlich die Umstände. Eine Heilerin mitten in einer hochmodernen Klinik, Seite an Seite mit einem Medizinprofessor, der auf ihre Fähigkeiten schwört: Das beeindruckt Patienten, stärkt ihren Glauben an Hilfe und trägt zu den Erfolgen bei.

Untypisch ist auch die Heilerin - sie ist Vollprofi mit jahrzehntelanger Erfahrung, und ihre Methode ist bloß eine von mehreren Dutzend, die man unter der Überschrift "Geistiges Heilen" zusammenfaßt. Durchaus typisch sind dagegen die Probleme, mit denen sie es zu tun bekommt: langwierige, chronische Leiden, die aus schulmedizinischer Sicht als "behandlungsresistent" gelten, wenn nicht als austherapiert.

ML: Gibt es Menschen, die besonders schnell und stark auf Geistheiler ansprechen?

Wiesendanger: Die meisten Vorurteile darüber hat die Forschung nicht bestätigen können. Zwar profitiert ein Patient eher davon, wenn er von vornherein aufgeschlossen ist und an seine Chance glaubt. Aber auch Skeptikern wird geholfen - übrigens auch schwerkranken Ärzten. Es sind ja keineswegs nur eingefleischte Esoteriker, die zu Heilern gehen, sondern Kranke aus allen Bevölkerungsschichten, übrigens auch Ärzte. Über 90 Prozent von ihnen bringen chronische Leiden mit, denen die herkömmliche Medizin seit Monaten, wenn nicht seit Jahren kaum bis gar nicht beikommt. Viele “Aussortierte” des Medizinbetriebs sind darunter, die von ihren Ärzten gehört haben, sie seien "therapieresistent", da sei nichts mehr zu machen, damit müsse man sich abfinden. Der durchschnittliche Heilerklient plagt sich mit seiner Diagnose schon sieben Jahre herum und hat mindestens fünf verschiedene Ärzte konsultiert. Geistiges Heilen ist dann der letzte Strohhalm, nach der Devise: "Was hab´ich schon noch zu verlieren? Probieren kann man´s ja mal."

ML: Was ist "Geistiges Heilen" überhaupt?

Wiesendanger: "Geistiges Heilen" bezeichnet eine ziemlich große Familie von merkwürdigen Außenseitertherapien, die mit denkbar unterschiedlichen Vorgehensweisen, Theorien und kulturellen Hintergründen verbunden sind. Das Spektrum reicht vom Handauflegen, Gebetsheilen und Exorzismus - also Heilweisen, die schon Jesus Christus praktizierte - über das Besprechen und schamanisches Heilen bis hin zu Importen aus Fernost, wie Reiki, Qi Gong, Prana-Heilen oder Chakratherapie. Ihr kleinster gemeinsamer Nenner ist etwas Geistiges, nämlich eine Intention. Die bloße Absicht, einem Anderen zu helfen, scheint manchmal tatsächlich auszureichen, Krankheitsverläufe günstig zu beeinflussen, auch gegen ärztliche Prognosen. Was heilt, scheint insofern "purer Geist".

ML: Woran erkennt man einen Scharlatan?

Wiesendanger: Da gibt es ein paar typische Merkmale, die ich in meinen Büchern zu einem regelrechten "Steckbrief des Scharlatans" zusammengestellt habe:
- Der Scharlatan verspricht zuviel: nämlich eine rasche, vollständige Genesung von jedem Patienten, egal woran er leidet und egal, wie lange schon.
- Er hält Patienten davon ab, zum Arzt zu gehen, und äußert sich pauschal abfällig über "die" Schulmedizin.
- Er bedrängt seine Patienten, laufende ärztliche Behandlungen abzubrechen und Medikamente abzusetzen.
- Er stellt ihnen Diagnosen, angeblich aus außersinnlicher Erkenntnis.
- Er droht Patienten, daß sich ihr Leiden verschlimmern wird, falls sie sich nicht auf ihn einlassen bzw. die Behandlung bei ihm beenden wollen.
Fairerweise muß aber gesagt werden, daß diese Formen von Scharlatanerie weitaus seltener vorkommen, als Kritiker unterstellen. Erheblich verbreiteter ist dagegen Etikettenschwindel: Viele Heiler werben damit, sie seien "geprüft", "anerkannt", "zugelassen", und zum Beweis dafür zeigen sie Urkunden irgendwelcher Institute oder Vereine vor. Kaum einem Patienten ist klar, daß keine Heilerschule, kein Heilerverein irgendein wissenschaftlich abgesichertes Testverfahren einsetzt.

ML: Was zeichnet demgegenüber einen guten Heiler aus?

Wiesendanger: Ja, das ist die Preisfrage. Es ist viel leichter zu sagen, woran man einen guten Heiler nicht erkennt: nicht an seiner Medienpräsenz; nicht an seinen Honoraren; nicht an seinen Titeln; nicht an seiner Zugehörigkeit zu irgendwelchen Vereinen; nicht an seinen Inseraten, Werbezetteln und Broschüren.

Gut ist ein Heiler wohl dann, wenn seine Taten halten, was sein Name verspricht: d.h. wenn er wirklich heilen kann. Dazu würden wir erwarten, daß er bei einem beachtlichen Prozentsatz seiner Patienten den Krankheitsverlauf günstig beeinflußt. Darüber hinaus würden wir erwarten, daß ihm dies nicht nur als begabter Laienpsychologe und Suggestivkünstler gelingt, sondern indem er diese "Heilenergie", auf die er sich beruft, auch tatsächlich einsetzt.

Aber um all das zuverlässig festzustellen, bräuchten wir im Grunde ein enorm aufwendiges medizinisches Screening in mehreren tausend Heilerpraxen allein in Deutschland; und wir bräuchten physikalische Meßtechniken, mit denen wir diese mysteriöse "Energie" zuverlässig nachweisen können. Und darauf müssen wir womöglich noch Jahrzehnte warten.
So viel Zeit hat ein Patient natürlich nicht. Er sucht jetzt Hilfe, und jetzt muß er entscheiden, welchem Heiler er sich anvertraut. Dazu bleibt ihm vorerst - das muß man ehrlicherweise einräumen - nur das Vertrauen in die eigene Intuition und den Mut zum Ausprobieren.

ML: Wie sollte man vorgehen, wenn man einen Geistheiler sucht?

Wiesendanger: Zunächst zwei, drei Heiler in der Nähe des eigenen Wohnorts ausfindig machen - und dabei möglichst viele Vorinformationen über sie einholen. Diese bekommt man aus einer "Heiler-Datenbank", die ich seit 1992 führe. Hier erfahren Hilfesuchende nicht nur Anschriften und Telefonnummern, sondern auch so aufschlußreiche Details wie: Welche Vorbildung hat der Heiler, wie sieht sein beruflicher Werdegang aus? Seit wann heilt er - etwa erst seit ein paar Monaten nach Feierabend, oder vielleicht schon über zehn Jahre hauptberuflich? Wie kam er dazu? Welche Methode wendet er an? Welche Therapien bietet er sonst noch an? Wie lange dauert eine Sitzung bei ihm? Und was kostet sie?

Zweiter Schritt: Die Betreffenden anrufen; sich erläutern lassen, wie sie vorgehen; klare Auskünfte über das Honorar einholen; und möglichst eine kostenlose Probesitzung verabreden.

Dritter Schritt: Beim Heiler der Wahl fünf bis zehn Sitzungen Geduld haben; Symptome aufmerksam beobachten; und gegebenenfalls wieder aussteigen, falls sich am Krankheitsbild nicht einmal ansatzweise etwas zum Besseren verändert.

ML: Bei welchen Leiden ist Geistiges Heilen ratsam - bei allen oder nur ganz bestimmten?

Wiesendanger: Bei nahezu jedem chronischen Leiden, das seit mehr als ein paar Monaten auf ärztliche Maßnahmen zuwenig anspricht. Dann sollte man möglichst früh zum Heiler, nicht erst dann, wenn beinahe schon alles zu spät ist. Auch Geistheiler erreichen in frühen Krankheitsstadien mehr als in fortgeschrittenen. Abraten würde ich bloß bei seelischen Problemen, die mit Ängsten verbunden sind. Denn bei manchen Patienten kann sich die quälende Vorstellung entwickeln, der Heiler sende ihnen "negative Energien" und schade ihnen womöglich damit. Wer zu solchen Verfolgungsphantasien neigt, läßt von Geistigem Heilen besser die Finger.


In einem zweiten Filmbeitrag stellt die ZDF-Redaktion von "Mona Lisa" nun ein Forschungsprojekt des Schweizer Psychiaters PD Dr. med. Jakob Bösch vor, der die Heilerin Graziella Schmidt ungewollt kinderlose Frauen behandeln läßt.


ML: Ist das überhaupt seriös, was da in Glarus und Basel geschieht?

Wiesendanger: Das sind zwei Fragen. Sind die Hauptbeteiligten seriös - der Chefarzt und die Heilerin? Ich kenne alle Beteiligten und würde deshalb mit einem klaren "Ja" antworten. In Glarus ebenso wie in Basel geht es offenbar darum, Schwerstkranken zu helfen - und dazu keine Heilweise von vornherein auszuschließen. - Ist die Therapie seriös? Sie wäre unseriös, wenn dabei zuviel versprochen würde. Aber das geschieht in Glarus und Basel ja keineswegs. Auch dort werden niemandem Wunder in Aussicht gestellt. Man sagt bloß: Wenn die Schulmedizin mit ihrem Latein am Ende ist, geben wir noch lange nicht auf, sondern probieren es mit etwas Unkonventionellem. Und das hat offenbar Erfolg, zumindest manchmal.

Nebenbei zurückgefragt: Ist es seriös, Krebskranke in fortgeschrittensten Stadien noch zu Chemotherapien oder Bestrahlungen zu drängen, obwohl Statistiken zeigen, daß dadurch weder die Lebenserwartung noch die Lebensqualität der Patienten steigt?

ML: Wo liegen denn allgemein die Grenzen Geistigen Heilens?

Wiesendanger: Die Grenzen liegen dort, wo auch die natürlichen Selbstheilungskräfte des Menschen an Grenzen stoßen - denn diese sind es vermutlich, die durch Geistiges Heilen angeregt werden. Ihr Potential wird von der Schulmedizin offenbar gewaltig unterschätzt. Allerdings ist auch dieses Potential nicht unerschöpflich: Ein amputiertes Bein oder eine herausoperierte Niere ist auch bei einem Geistheiler noch niemandem nachgewachsen. Andererseits kann unter aufgelegten Händen durchaus ein bösartiger Tuor zu wachsen aufhören oder gar schrumpfen - und eben dazu ist das Immunsystem unter besonders günstigen Umständen auch von alleine imstande, wie die Forschung über "Spontanremissionen" zeigt.

ML: Gibt es denn eine Erklärung für die Erfolge Geistigen Heilens?

Wiesendanger: Als das Abendland noch christlich war, schien die Erklärung klar: Da erweist sich die Allmacht und Gnade Gottes, und Heiler sind Seine auserwählten Werkzeuge. Heute herrschen zwei Erklärungen vor, die sich keineswegs ausschließen:
- Die meisten Heiler glauben, dabei sei eine besondere "Energie" im Spiel, die sie Kranken vermitteln.
- Skeptiker meinen hingegen, Geistiges Heilen wirke allenfalls als Placebo: sozusagen als Scheinmedikament, das nur dem hilft, der daran glaubt.

Im Fall von Glarus und Basel, wie im Heileralltag allgemein, ist das kaum zu entscheiden. Denn hier spielen immer auch viele psychologische Faktoren mit: die Wahrnehmungen, Überzeugungen und Erwartungen des Patienten; die Suggestionen des Heilers, sein Charisma, die Art und Weise, wie er mit dem Patienten kommuniziert. Und wir wissen, dass all das der Heilung förderlich sein kann ("Placebo-Effekt").Die spannende Frage ist, ob das schon alles ist, was hinter Geistigem Heilen steckt. Wer den Forschungsstand kennt, muss das inzwischen klar verneinen: Wir wissen aus über hundert Doppelblindstudien, daß Heiler auch dann Wirkungen erzielen, wenn Patienten gar nicht wissen, ob und wann sie behandelt werden.Wir wissen aus Dutzenden von Labortests, daß Heiler auch Tiere und Pflanzen, Pilze und Bakterien, isolierte Zellen und Zellbestandteile, ja sogar Wasser und anderes anorganisches Material beeinflussen können - also Objekte, denen wir schwerlich zutrauen würden, dass sie für Suggestionen anfällig sind und dazu neigen, auf Placebos hereinzufallen. Also scheint beim Geistigen Heilen tatsächlich auch ein physikalischer Faktor mitzuspielen - etwas, das die Heiler selbst "Bioenergie", "Heilkraft", "Heilstrom" u.dgl. nennen.

Aus Patientensicht lautet die wichtigere Frage aber: Brauchen wir überhaupt eine Erklärung? Darf man ein Instrument erst dann einsetzen, wenn man vollauf verstanden hat, wie es funktioniert? Dann müßten Homöopathie und Akupunktur bis heute mit einem Anwendungsverbot belegt werden. Und mit der Markteinführung des erfolgreichsten Medikaments der Welt, von "Aspirin", hätte man 85 Jahre warten müssen. So lange dauerte es nämlich, bis die Wirkungsweise des Inhaltsstoffs, Acetylsalicylsäure, vollständig aufgeklärt war.
Patienten denken da am besten an den Neandertaler. Schon der konnte Wurfgeschosse einsetzen, ohne die geringste Ahnung von Ballistik und Gravitation zu haben. Und zumindest was unser Verständnis der physikalischen Gesetzmäßigkeiten betrifft, die Geistigem Heilen zugrunde liegen, befinden wir alle uns noch im Neandertal - was uns aber nicht davon abhalten sollte, zu heilen und uns heilen zu lassen. Ob hinter Geistigem Heilen ein Placebo-Effekt oder ein Psi-Effekt steckt, der Mann im Mond oder Rumpelstilzchen, ist für Hilfesuchende zweitrangig: Hauptsache, es hilft.

ML: Würden Sie sich denn selbst auf einen Geistheiler einlassen?

Wiesendanger: Durchaus, und ich halte es damit so ähnlich wie der Präsident der Bundesärztekammer. Der wurde kürzlich in einem Interview gefragt: Angenommen, er hätte eines Tages eine Krankheit, die aus schulmedizinischer Sicht unheilbar ist - und dann käme ein medizinischer Laie auf ihn zu und würde sagen: "Ich probier´s!" - würde er dieses Angebot ausschlagen? Der Ärztekammerpräsident zögerte kurz, dann antwortete er: Also, wenn ich zu der Überzeugung gelangt wäre, daß meine Situation ausweglos ist, dann würde ich nicht ausschließen, daß ich mich darauf einlasse. - Wenn jeder Patient mit Geistigem Heilen ebenso verfahren würde, wäre schon viel gewonnen.

ML: Gibt es vergleichbare Projekte in Deutschland?

Wiesendanger: Leider nein, obwohl das rechtlich kein Problem wäre. Schweizer sind da offenbar liberaler und pragmatischer. Deutsche Chefärzte meinen dagegen offenbar, daß alles, was an Geistigem Heilen seriös sei, auch vom vorhandenen Klinikpersonal zu leisten sei. Und eben das ist ein Irrtum.

ML: Welche Erfahrungen machen denn Patienten im allgemeinen, wenn sie zu Geistheilern gehen? Weiß man darüber Näheres?

Wiesendanger: Ja, schon erfreulich viel. Seit den 60er Jahren fanden allein im deutschsprachigen Raum schon ein Dutzend Umfragen unter Menschen statt, die schon einmal bei einem Geistheiler waren. Zusammengenommen wurden dabei rund 7000 Patienten erfaßt. In den vergangenen vierzig Jahren sind zusammengerechnet über 7000 Patienten befragt worden, die schon bei Geistheilern waren. Zwei Drittel erklären, ihre Beschwerden hätten daraufhin mehr oder weniger deutlich nachgelassen; 5-10 % fühlten sich sogar vollständig geheilt; darüber hinaus versichern über 90 %, die Geistheilung habe ihr Allgemeinbefinden, ihre psychische Verfassung, ihre Lebensqualität verbessert. Das sind Zahlen, die jeder schulmedizinischen Maßnahme alle Ehre machen würden.

Diese Umfrageegebnisse werfen natürlich alle möglichen Krankheitsbilder in einen Topf: von Migräne bis metastasiertem Krebs, von Heuschnupfen bis Arthrose. Je länger die Erkrankung bereits besteht, je mehr schon Organe geschädigt sind, desto schlechter wird auch die Erfolgsbilanz von Heilern.

Davon abgesehen gibt es nicht "die" Geistheiler, ebensowenig wie "die" Fußballer, "die" Sänger, "die" Komponisten, "die" Maler, "die" Ärzte. Wie in jedem Beruf finden wir auch unter Heilern wenige herausragende Könner, viel Mittelmaß und etliche Nieten. Erfreulicherweise besteht aber selbst beim einem durchschnittlichen Heiler zumindest eine kleine Chance, Hilfe zu finden. Und eine kleine Chance ist immer noch besser als gar keine mehr.

ML: Wie kamen Sie dazu, sich gerade mit dem Geistigen Heilen so intensiv zu befassen?

Wiesendanger: Das ist eine Mischung aus Neugier, Betroffenheit und Wut. Neugier auf ein Phänomen, an dessen Realität es für mich keine Zweifel mehr gibt, auch wenn ich noch immer nicht recht verstehe, wie es überhaupt möglich sein soll. Betroffenheit über die Schicksale von so vielen Schwerkranken, die zu früh resignieren, statt zumindest die kleine Chance wahrzunehmen, die in Geistigem Heilen steckt. Und Wut über die Situation von Heilern hierzulande, die mit akademischem Spott und juristischer Verfolgung leben müssen, selbst wenn sie nachweislich bisher niemandem geschadet haben, aber vielen genützt.

Autor dieses Artikels: Dr. Harald Wiesendanger
Quelle: http://www.psi-infos.de
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